Salzhütten Koserow

Das Einsalzen von Heringen ist eine altbekannte Methode zu ihrer Haltbarmachung. So berichtete schon Otto von Bamberg, der 1128 die Insel Usedom christianisierte, dass das Salz zum Einpökeln von Heringen verkauft wurde.
Am Anfang des 19. Jh. lernten die Fischer der Ostseeküste neue Salzungsverfahren von den Holländern auf der Basis von Steinsalzen kennen. Um 1820 wurden an der Küste der Insel Usedom im Zuge der, vom damaligen pommerschen Oberpräsidenten Johann August Sack angeregten Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung, Salzhütten errichtet.
Salzhütten befanden sich unter anderem in Hammelstall (Trassenheide), Koserow, Kölpinberg (Kölpinsee), Ückeritz und Missenhals (Selliner Bootsstelle) zwischen Ückeritz und Bansin.
Diese Salzhüten dienten ursprünglich als Verschlusslager für steuerfreies, vom preußischen Staat geliefertes Steinsalz aus dem Salzbergwerk zu Staßfurt bei Magdeburg. Zum Salzen eines Fasses (Tonne) Heringe mit einem Fassungsvermögen von 1500 bis 1700 Heringen benötigte man ca. 45 kg Salz.
Im Jahre 1830 wurden auf der Insel Usedom 1752 Fässer Heringe gesalzen. Während der Heringsfangsaison im Frühjahr und im Herbst wurden in diesen Hütten unter staatlicher Aufsicht die Heringe gesalzen und verpackt; man nannte sie deshalb auch Heringspackhütten.
Eine Anweisung aus dem Jahre 1860 beschreibt das Einsalzen von Heringen:
Zuerst wird der Boden der Tonne mit Salz bestreut, worauf man die Fische mit dem Rücken nach unten lagenweise dergestalt verpackt, dass die folgende Lage kreuzweise über die untere zu liegen kommt und jede Lage wieder mit Salz besprengt wird. Doch dürfen die Heringe nicht zu eng aneinander liegen, damit sie nicht drücken, noch die Lake gehindert wird, jeden einzelnen Fisch zu benetzen. Ist die Tonne gefüllt, so wartet man bis die Heringe sich gesetzt haben. Ist die Tonne voll, so kann sie zugeschlagen werden.
Nach dem Einsalzen wurde jedes Faß durch den Wraker (wraken = beschauen) geprüft und anschließend vom Böttcher zugeschlagen. Nun versah man diese Fässer mit einer Marke, die die Güte der Heringe kennzeichnete. Der große Hering bekam einen Adler (1. Sorte) und der kleine Hering bekam zwei Adler (2. Sorte).

Salzhütten KoserowSalzhütten Koserow

Jetzt erst konnte der gesalzene Hering, der als wichtigstes Nahrungsmittel diente, in den Handel kommen. Um 1860 betrieben allein in Koserow 31 Familien (das waren mehr als die Hälfte aller Familien) mit 9 Booten die Fischerei in der Ostsee. Nach 1870 ging die Heringssalzerei auf der Insel Usedom infolge von ausländischen Einfuhren von Salzheringen merklich zurück und verlor in Koserow gegen 1900 völlig an Bedeutung. Die ursprünglichen Salzhütten wurden bei den großen Sturmfluten 1872 und 1874 zerstört. Danach wurden die Salzhütten mehrfach nach Bedarf und ihren Zweck entsprechend erneuert bzw. um –und ausgebaut. Sie dienten nun den Fischern sowohl als Arbeitsstätte, als auch als Lagerraum für Ihre Netze und Gerätschaften. Dementsprechend wurden sie auch einfach als Fischerhütten bezeichnet. Um 1900 standen in Koserow ca. 15 solcher Fischerhütten. Durch die Entwicklung des Badeverkehrs seit der zweiten Hälfte des vorigen Jh. nahm die Anzahl der Fischer in Koserow kontinuierlich ab. Dadurch gingen viele alte Fischerhütten verloren.
Heute steht das gesamte Ensemble der Koserower Salzhütten unter Denkmalschutz. Die Salzhütten, die alle mit Schilf gedeckt sind, stellen ein typisches Element der Küstengegend dar.
Sie wurden in den verschiedensten Bauweisen errichtet: Fachwerkkonstruktion mit Lehmstaken – oder Backsteinaus-fachung, einfache Bretterhütten und massiv errichtete Hütten.

Salzhütten Koserow